Städtetrip: Essen

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Essen – kaum eine Stadt die besser geeignet ist, den Reigen aus Food Travel zum Ausdruck zu bringen. Natürlich sind wir nicht nach Essen gefahren um dort die besten Foodblog-Beiträge Deutschlands zu verfassen, aber auch das Ruhrgebiet hat so seine schönen Seiten 🙂

Für mich selbst war es eine Reise zurück in die eigene Vergangenheit. Zu Beginn der 2000er durfte ich für fast fünf Jahre die ersten Gehversuche in meinem Job in der Stadt an der Ruhr machen.

Zollverein

Unser zweitägiger Ausflug verlief vom Essener Norden bis tief in den Süden der Großstadt. Begonnen haben wir mit einem Besuch der Zeche Zollverein. UNESCO Welterbe und Sitz des für mich von Berufswegen wichtigen Red Dot Design Museums. Zollverein ist wohl einer der Orte, an dem der Strukturwandel der ehemaligen, schmutzigen, Kohle- und Stahlregion nicht nur spürbar, sondern auch greifbar ist. Bei meinen ersten Besuchen auf dem Zechengelände 2002 wanderte man noch über versteckte Trampelpfade, heute flaniert man durch einzigartige Industriearchitektur, zwischen Gastronomie und Ateliers und wird dabei fast von den unterschiedlichsten Führungen überrannt. Das kulinarische Angebot für einen kleinen Snack ist recht überschaubar, daher haben wir uns einfach für einen schönen Ort entschieden. Im Biergarten direkt neben dem Casino Zollverein haben wir die Sonne genossen. Mit leider etwas zu viel Wartezeit haben wir das Nationalgericht des Ruhrpotts, die Currywurst – die kommt nun wirklich nicht aus Berlin 😉 – und ein frisches Radler der Essener Traditionsbrauerei Stauder probiert.

Blick aus dem Biergarten auf Zollverein
Ruhrpott Original

Wer Zollverein besucht, sollte unbedingt eins der Museum besuchen oder eine Führung mitmachen. Die Einblicke in die Wirkungsstätte der Kumpel ist schlichtweg beeindruckend. Das Red Dot Museum im ehemaligen Kesselhaus bildet da keine Ausnahme.

Einkaufen sollte sein

Nach unserem Besuch auf der Zeche haben wir uns zum Holiday Inn Express aufgemacht. Während wir bei längeren Urlaubsphasen meist auf Airbnb zurückgreifen, buchen wir uns für Städtetrips meist in Businesshotels ein. Das Hotel liegt für uns ganz praktisch am nördlichen Ende der Innenstadt – direkt am Limbecker Platz.

Essen ist sicherlich nicht die tollste Einkaufsstadt, dennoch liegen die üblichen Ketten praktisch direkt nebeneinander. Da die Sonne ordentlich scheint, nutzen wir die Gastronomie am Kennedy Platz im Zentrum für eine Pause. Nicht umwerfend das Essen, aber es ist eine Kleinigkeit die man sehr wohl schlucken kann 😉

Kleiner Mittagssnack im Café Solo

Geheimtipp Synagoge

Wir stolpern mehr oder weniger zufällig über einen echten Geheimtipp in der Stadt. Hinter dem Rathaus liegt die, bereits von Außen beeindruckende alte Synagoge. Nach dem Krieg in Teilen wieder aufgebaut, ist die Synagoge eine Mischung aus Gedenkstätte und Museum über das jüdische Leben. Viele Exponate laden zum Ausprobieren ein.

Blick aus dem Fenster der Synagoge

Für uns war es der erste Besuch einer Synagoge und dann gleich in Deutschlands größter. Ein eindrucksvoller Ort, den man besuchen sollte!

Der Besuch ist kostenfrei.

Rüttenscheider Stern

Für den Abend haben wir uns die Rüttenscheider Straße mit vielen Bars und Restaurants ausgesucht. Das Viertel liegt südlich der Innenstadt und ist auf jeden Fall per ÖPNV erreichbar (Haltestelle: Rüttenscheider Stern). Hungrig vom Tag – Google Fit vermeldet soeben 10.000 Schritte – landen wir im Eleon, ein kleines und sehr schönes griechisches Restaurant, spezialisiert auf die landestypische Tapas Variante Meze. Da unser Kreta Urlaub (Bericht folgt) nun schon eine Weile her ist, können wir nicht anders und wenige Minuten nach dem herzlichen Empfang quillt unser Tisch über.

Pappsatt und rundum zufrieden stolpern wir noch in eine Bar um die Ecke, das Zizou. Auch hier werden wir freundlich empfangen und nehmen direkt an der Straße Platz – der Abend ist sehr mild und perfekt für ein letztes Bierchen 😉

Bier am Abend

Die Villa einer Dynastie

Am nächsten Morgen staunen wir nicht schlecht über den sehr gut gefüllten Frühstücksraum des Hotels, scheinbar kommen doch einige Touristen nach Essen. Das Frühstück ist in Ordnung, aber nicht der Rede wert.
Auf dem Plan steht ein kleines Kontrastprogramm, der Essener Süden. Zum einen habe ich hier früher gewohnt, zum anderen ist dieses Fleckchen wirklich sehenswert. Das perfekte Naherholungsgebiet liegt noch innerhalb der Stadt und ist ein grünes Paradies rund um den Baldeneysee in Essen-Werden. Die Sonne scheint und die Menschen drängen ans Wasser. Wir jedoch drängen uns nicht, sondern wandern entspannt den südlichen Eingang hinauf durch die riesigen Gärten zur Villa Hügel.

Die Villa, von außen ein klassizistischer Koloss – von innen nicht nur klassizistisch, aber kein Stück weniger eindrucksvoll – war Sitz der vermutlich größten Industriedynastie Deutschlands – die Krupps. Für uns ein absolut atemberaubender Ort. Alles wirkt unfassbar groß und lässt den Betrachter sichtlich schrumpfen. Leider, wie so oft in kulturellen Einrichtungen, bleibt einem der kaugummikauende Tourist in all seinen Ausfertigungen nicht erspart. Die Highlights beim Besuch: Tourist 1, läuft in Windeseile alle sehenswerten Punkte ab, in Jogginghose, fotografiert jeden Winkel mit dem Smartphone und geht. Vermutlich waren die 5 Euro Eintritt sehr einfach verdient. Touristin 2 erstaunt mich am meisten. In einem dunklen und ruhigen Ausstellungsraum mit mehreren anderen Besuchern beginnt Sie ein Videotelefonat auf dem Smartphone. Was der alte Krupp wohl dazu sagen würde …

Auf dem Rückweg schlendern wir zwischen riesigen Mammutbäumen im Park und genießen die Sonne. Beim Bau der Villa wurden ausgewachsene Bäume in die Parkanlage gepflanzt.

Die 5 Euro waren für uns absolut sinnvoll investiert.

Margarethenhöhe

Zum Abschluss unseres Ausflugs nach Essen gibt es jedoch noch mal ein klein wenig Krupp. Wir fahren zur Magarethenhöhe, einem Arbeiterviertel, das Margarethe Krupp der Stadt Essen geschenkt hat. Dieser Ort ist so unglaublich idyllisch, man fühlt sich, als stünde man in einem kleinen Ort in Cornwall. Kleine Doppelhäuser, viel grün, Ruhe.

Schön gelegen.

Auf unserem Spaziergang bemerken wir eine kleine Eisdiele in einer Ladenzeile, deren Schilder sich wie folgt lasen:

BÄCKEREI – EISDIELE – REINIGUNG

Klingt durchaus praktisch, die Reinigung zuletzt zu setzen. Mit ordentlich Appetit auf Eis ging es in den kleinen, sehr sauberen Raum. Ähnlich dem Eleon wurden wir auch hier total zuvorkommend und fast schon überschwänglich empfangen. Das Eis ein Gedicht. Ich muss mich beinahe mit Händen und Füßen gegen einen zusätzlichen Schuss Alkohol in meinem Tartufo Nero Becher wehren …

Tartufo Nero. Lecker.

Satt und glücklich klettern wir ins Auto, zurück auf die A40, die A45, nach Hause. Ein kleiner Ausflug mit toller Wirkung. Die Akkus sind wieder voll!

 

Alle Stationen im Überblick

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